Marketing-Veranstaltung

WAZ v. 23.01.2003

Zu »Brückenschlag zwischen Kunst und Psychiatrie« in der WAZ vom 22. Januar schreibt Carsten Dirk Kensy [Adresse]:

Wer aufgrund seiner verminderten Schuldfähigkeit bzw. einer »Persönlichkeitsstörung« in einer Maltherapie Farben mischt und kindliche Bilder malt, ist deshalb noch lange kein Künstler.

Es handelt sich hier um eine Marketing-Veranstaltung zur Akzeptanz forensischer Kliniken, die mit öffentlichen Mitteln unterstützt wird. Kommen den Opfern dieser in den Adelsstand der Künstler erhobenen Straftäter die gleichen Finanzmittel und vor allem die gleiche Aufmerksamkeit zu? Opfern, die um jede Therapie zur Wiedereingliederung in ihr normales Leben kämpfen müssen, muss eine derartige Ausstellungsreihe wie blanker Hohn vorkommen. Kunst und Psychiatrie sind unter diesen Gesichtspunkten niemals in einen kausalen Zusammenhang zu bringen. Der Glaube daran, dass die Malereien psychisch kranker Straftäter die Mauern zwischen forensischen Patienten und der Bevölkerung durchsichtiger machen, dürfte sich als Irrtum erweisen.

 
 

Engagement auch für die Opfer

WAZ v. 23.01.2003

Ebenfalls zu diesem Thema schreibt Siegfried Machalla, Vorsitzender der Bürgerinitiative Forensik:

Für die kranken Straftäter wird alles ermöglicht, werden keine Kosten gescheut. Das gleiche Engagement würden wir uns für die Opfer dieser Täter wünschen. Warum finanziert der Landschaftsverband Westfalen-Lippe nicht auch Maßnahmen zur Therapie von Opfern? Haben die nicht gleiche, wenn nicht sogar vorrangige Rechte? Diesen Aspekt bei der Kunstausstellung in Herne vermissen wir. Kunst und Psychiatrie gilt sowohl für die Opfer als auch für die kranken Straftäter. Dass die Straftäter in der Bevölkerung wie »Dämonen« gelten, liegt doch nicht an der Bevölkerung, sondern an dem Verhalten der Forensik-Insassen.

 
 

Schames- und Zornesröte

WAZ v. 27.01.2003

Zu den Leserbriefen »Marketingveranstaltung« und »Engagement auch für Opfer« in der WAZ vom 23. Januar schreibt Dorothea Schulte [Adresse]:

Im Gegensatz zu Herrn Kensy bin ich keine Kunstkritikerin sondern Ärztin. Über seine Definition der Maltherapie bin ich entsetzt! Ich bezweifle, dass er sich je mit dieser anerkannten Behandlungsmethode auseinandergesetzt hat.

Außerdem sollte ihm als Kunstkritiker bekannt sein, dass viele Maler (darunter Van Gogh) und auch andere Kunstschaffende an psychischen Erkrankungen und Suchtproblemen leiden oder litten.

Der Leserbrief von Herrn Machalla treibt mir die Schames- und Zornesröte ins Gesicht! Der Vorsitzende der BI Forensik scheint der Ansicht zu sein, dass es kranke Menschen gibt, die behandlungswürdig sind und andere nicht. Dies erinnert mich an eine Zeit in Deutschland, in der das Leben von kranken Menschen als unwert eingestuft wurde.

Ich hätte nicht gedacht, dass solches Gedankengut noch immer vorhanden ist!

Jeder kranke Mensch hat ein Recht auf Behandlung.